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Vorbereitung

Unternehmensrecherche vor dem Vorstellungsgespräch: So bereitest du dich sinnvoll vor

„Was wissen Sie über uns?" ist keine Wissensfrage. Sie prüft, ob du dich für diesen Betrieb beworben hast oder für irgendeinen. Und sie ist die am leichtesten zu gewinnende Frage im ganzen Gespräch, weil die Antwort vorher feststeht und du sie in einer halben Stunde vorbereiten kannst.

Dieser Artikel zeigt, was du in 30 Minuten findest, was darüber hinaus nur für bestimmte Stellen lohnt, und vor allem das, woran die meisten scheitern: wie du das Recherchierte im Gespräch tatsächlich unterbringst.

Die 30-Minuten-Pflichtrecherche

Egal ob Ausbildungsplatz, Fachkraftstelle oder Leitungsfunktion, dieser Teil gilt immer. Er beantwortet die Frage nach dem Unternehmen und liefert nebenbei zwei eigene Rückfragen:

  • Was macht der Betrieb genau? Nicht die Branche, sondern das Produkt oder die Dienstleistung. „Maschinenbau" reicht nicht, „Sondermaschinen für die Lebensmittelverpackung" schon.

  • Wie groß und wie alt? Ungefähre Mitarbeiterzahl, Gründungsjahr, ein Standort oder mehrere, eigenständig oder Teil einer Gruppe.

  • Wer sind die Kunden? Privatpersonen, andere Unternehmen, öffentliche Auftraggeber. Das verändert den Arbeitsalltag mehr als fast alles andere.

  • Was ist in den letzten sechs bis zwölf Monaten passiert? Neuer Standort, neues Produkt, Jubiläum, Auszeichnung, Umbau.

  • Die Stellenanzeige zweimal lesen. Beim zweiten Mal mit Stift: Was wird verlangt, in welcher Reihenfolge, und welche Wörter tauchen mehrfach auf?

Damit bist du bereits besser vorbereitet als der Großteil der Mitbewerber. Alles Weitere ist Kür und lohnt je nach Stelle.

Die fünf Ebenen, nach Aufwand sortiert

Ebene 1: Die Basis

Geschäftsfeld, Größe, Standorte, Gründung, Rechtsform und Struktur, also GmbH, AG, Familienbetrieb oder Tochter eines Konzerns. Zu finden auf der Website unter „Über uns", im Impressum und in der Stellenanzeige selbst. Pflicht für alle.

Ebene 2: Das Aktuelle

Neuigkeiten aus den letzten Monaten. Ein einziger aktueller Bezug im Gespräch wirkt mehr als drei Jahreszahlen aus der Firmenhistorie, weil er zeigt, dass du dich kürzlich befasst hast und nicht irgendwann. Pflicht für alle.

Ebene 3: Die Stelle und das Team

Wie ist die Abteilung aufgebaut, wer würde deine Führungskraft sein, wie sieht ein typischer Tag aus? Vieles davon findest du nicht, und das ist in Ordnung: Genau daraus werden deine Rückfragen im Gespräch. Empfohlen für alle.

Ebene 4: Zahlen und Markt

Umsatzentwicklung, Wettbewerber, Marktposition, für größere Unternehmen der Geschäftsbericht. Das lohnt für Fach- und Führungspositionen und für Stellen mit Budgetverantwortung. Für einen Ausbildungsplatz oder eine Einstiegsstelle ist es verschwendete Zeit.

Ebene 5: Die Menschen im Gespräch

Wer führt das Gespräch, welchen Hintergrund hat die Person beruflich? Das hilft, wenn du einschätzen willst, ob dein Gegenüber fachlich tief nachfragen wird. Bei Führungspositionen sinnvoll, ansonsten optional. Wenn du dich auf eine Führungsposition bewirbst, gehört diese Ebene dazu.

Wo du wirklich etwas findest

  • Die eigene Website. „Über uns", „Karriere", „Presse", „Aktuelles". Dort steht, wie sich der Betrieb selbst sieht, und das ist die Sprache, an die du anknüpfen kannst.

  • Eine Nachrichtensuche nach dem Firmennamen, zeitlich auf das letzte Jahr eingegrenzt. Bei kleineren Betrieben liefert die Lokalzeitung oft mehr als überregionale Medien.

  • Berufliche Netzwerke wie LinkedIn und XING. Unternehmensprofil, Beiträge der letzten Monate, und wie viele Menschen dort im gesuchten Bereich arbeiten.

  • Arbeitgeberbewertungen, etwa auf kununu oder Glassdoor. Mit Vorsicht lesen: Dort schreiben überdurchschnittlich oft Menschen, die verärgert sind. Brauchbar sind wiederkehrende Muster, nicht einzelne Bewertungen.

  • Videoplattformen. Viele Betriebe haben Imagefilme oder Werkstattrundgänge. Zehn Minuten Video zeigen mehr über den Arbeitsalltag als zehn Seiten Website.

  • Handelsregister und Bundesanzeiger für Rechtsform, Geschäftsführung und, bei größeren Unternehmen, Jahresabschlüsse. Nur für Ebene 4 nötig.

  • Menschen, die dort arbeiten oder gearbeitet haben. Die verlässlichste Quelle, wenn du jemanden kennst. Eine kurze, höfliche Nachricht reicht.

Wenn es fast nichts zu finden gibt

Bei einem Handwerksbetrieb mit zwölf Beschäftigten, einer Arztpraxis oder einem Pflegedienst gibt es keinen Pressebereich und keinen Geschäftsbericht. Das ist kein Problem, es verschiebt nur die Quellen:

  • Der Google-Eintrag mit Fotos und Bewertungen. Oft die einzige Quelle mit Bildern vom Betrieb.

  • Die Stellenanzeige selbst. In kleinen Betrieben ist sie meist von der Person geschrieben, die auch das Gespräch führt. Was dort betont wird, ist derjenigen Person wichtig.

  • Die Lehrstellenbörse der zuständigen Kammer, wenn es um eine Ausbildung geht. Dort steht oft mehr zum Ausbildungsverlauf als auf der Website.

  • Vorbeigehen. Bei einem örtlichen Betrieb ist es völlig legitim, sich das Gebäude vorher anzusehen. Nebenbei kennst du dann auch den Weg.

Und wenn du wirklich nichts findest, ist das eine gute Rückfrage: „Ich habe online wenig über Ihre Projekte gefunden. Woran arbeiten Sie gerade hauptsächlich?"

So bringst du die Recherche ins Gespräch

Hier entscheidet sich, ob die halbe Stunde etwas bringt. Recherche, die du nicht unterbringst, zählt nicht. Für die Frage „Was wissen Sie über uns?" hat sich ein Aufbau aus drei Teilen bewährt:

  1. Ein Fakt, der zeigt, dass du verstanden hast, was der Betrieb tut.

  2. Eine aktuelle Entwicklung, die belegt, dass du kürzlich nachgesehen hast.

  3. Dein persönlicher Bezug, also warum genau das für dich interessant ist.

Ausformuliert dauert das etwa dreißig Sekunden:

"Sie bauen Sondermaschinen für die Lebensmittelverpackung, hauptsächlich für mittelständische Hersteller. Ich habe gesehen, dass Sie im Frühjahr die zweite Halle in Betrieb genommen haben und seitdem auch die Steuerungen selbst programmieren. Genau das reizt mich, weil ich nicht nur montieren, sondern verstehen will, warum eine Anlage so läuft, wie sie läuft."

Für ein Ausbildungsgespräch funktioniert derselbe Aufbau, nur mit anderen Inhalten:

"Sie sind ein Familienbetrieb in der dritten Generation und machen vor allem Bäder und Heizungen im Umkreis. Auf Ihrer Karriereseite habe ich gelesen, dass Azubis nach dem ersten Jahr zwischen den Kolonnen wechseln. Das fand ich gut, weil ich noch nicht weiß, was mir am meisten liegt, und so mehr sehe."

Der dritte Teil ist der wichtigste. Fakt und Neuigkeit kann man nachschlagen, der persönliche Bezug ist das, woran man sich erinnert.

Zwei Rückfragen aus der Recherche

Aus dem, was du nicht gefunden hast, entstehen die besten Rückfragen. Sie zeigen Vorbereitung, ohne dass du sie behaupten musst:

  • „Sie haben im Frühjahr die zweite Halle eröffnet. Bedeutet das, dass das Team wächst?"

  • „Auf der Website steht viel zu Ihren Industriekunden. Wie groß ist der Privatkundenanteil heute noch?"

  • „Wie sieht die Einarbeitung in den ersten Wochen konkret aus?"

Die Grenze zur Privatsphäre

Recherchiere nur beruflich relevante und öffentlich zugängliche Informationen. Das berufliche Profil deines künftigen Vorgesetzten anzusehen ist normal und wird erwartet. Private Profile, Urlaubsfotos oder Familienverhältnisse sind es nicht, und im Gespräch darauf anzuspielen kippt den Eindruck sofort ins Unangenehme.

Die Faustregel: Alles, was du im Gespräch entspannt erwähnen könntest, darfst du recherchieren. Alles, was du besser verschweigst, hättest du nicht nachsehen sollen.

Fazit

Dreißig Minuten reichen: Geschäftsfeld, Größe, Kunden, eine aktuelle Entwicklung, die Anzeige zweimal gelesen. Daraus baust du eine Antwort aus Fakt, Neuigkeit und persönlichem Bezug und zwei Rückfragen. Alles Weitere lohnt erst, wenn die Stelle es verlangt. Wichtiger als die Menge der Informationen ist, dass du eine davon im Gespräch tatsächlich benutzt.

Gut zu wissen

Häufig gestellte Fragen

30 Minuten reichen für den Pflichtteil: Was macht der Betrieb genau, wie groß und wie alt ist er, wer sind die Kunden, was ist in den letzten sechs bis zwölf Monaten passiert, und die Stellenanzeige zweimal gelesen. Mehr lohnt erst, wenn die Stelle es verlangt, etwa Geschäftszahlen bei Führungs- und Budgetverantwortung.
Bei kleinen Betrieben ist das normal. Nutze den Google-Eintrag mit Fotos und Bewertungen, die Stellenanzeige selbst, bei Ausbildungsplätzen die Lehrstellenbörse der zuständigen Kammer, und geh notfalls am Gebäude vorbei. Wenn du wirklich nichts findest, wird daraus eine gute Rückfrage: „Ich habe online wenig gefunden. Woran arbeiten Sie gerade hauptsächlich?“
In drei Teilen, zusammen etwa 30 Sekunden: ein Fakt, der zeigt, dass du verstanden hast, was der Betrieb tut; eine aktuelle Entwicklung, die belegt, dass du kürzlich nachgesehen hast; und dein persönlicher Bezug, warum genau das für dich interessant ist. Der dritte Teil ist der wichtigste, denn Fakten kann man nachschlagen.
Berufliche Profile ja, das ist üblich und wird erwartet. Private Profile, Urlaubsfotos oder Familienverhältnisse nicht. Die Faustregel: Alles, was du im Gespräch entspannt erwähnen könntest, darfst du recherchieren. Alles, was du besser verschweigst, hättest du nicht nachsehen sollen.
Nein. Umsatz, Marktanteile und Geschäftsberichte sind für Ausbildungsplätze und Einstiegsstellen verschwendete Zeit. Wichtiger ist, was der Betrieb konkret herstellt oder anbietet, wie groß er ist und wie die Ausbildung dort abläuft. Dazu steht auf der Karriereseite und in der Lehrstellenbörse meist mehr als in jeder Bilanz.

Basierend auf häufigen Fragen unserer Nutzer

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